Das digitale Netz verändert das Denken

Schon seit vielen Jahren versuchen Gehirnforscher, Psychologen, Pädagogen und Neurologen den Einfluss der zunehmenden Nutzung der digitalen Medien, z.B. das Internet oder Web-Spielen, auf das Denken und die kognitiven wie sozialen Fähigkeiten zu erforschen. Meist kommen sie nicht besonders gut weg: die Konzentrationsfähigkeit würde sinken, die Informationsaufnahme erschwert, ganz zu schweigen von der Verarmung sozialer Kontakte.

Interessant ist, dass aber genau die zunehmende Nutzung von Technik mit ein Faktor (neben z.B. höheres Bildungsniveau und besser Ernährung) dafür ist, dass in den letzten 50 Jahren die durchschnittliche Intelligenz stetig gestiegen ist.

Schon 1994 gab es in den USA erste Untersuchungen, die belegen, dass Computerspiele das räumliche Denken schult und verbessert. Neuere Studien zeigen nun, dass auch das visuelle Vorstellungsvermögen (eine für das Lernen sehr wichtige Grundkompetenz) durch das Computerspielen trainiert wird. Auch der Vorwurf der sozialen Verarmung durch das Kommunizieren in sozialen Netzwerken wie Facebook ist wohl nicht haltbar: in Einsamkeit rutschen vor allem diejenigen, die auch in der Offline-Welt nur wenige Kontakte haben. Sie scheinen also vor allem Spiegel der echten Welt jenseits des Internets zu sein.

Digitale Medien gehören heute einfach zur Alltagswelt dazu, sie haben natürlich viele Nachteile, aber sie haben mindestens genauso viele Vorteile. Wer Computerspielen, Online-Netzwerken, Chatten oder Dauer-SMSen nur negativ sieht, sitzt in einem Elfenbeinturm - unerreichbar und fern der realen Welt.

Ich plädiere dafür, dass Eltern ihre Kinder öfter in deren - auch digitalen - Welt abholen. Sich z.B. ebenfalls in die Netzwerke einloggen und Teil dieser digitalen Welt werden. Oder sich den Spaß machen von Wohnzimmer ins Kinderzimmer zu skypen. Oder auch mal völlig “unnütze” SMS schreiben …! Das würde viel Stress aus dem mancherorts täglichen Gerangel um Nutzungszeiten nehmen.

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